Myeloide Neoplasien

Myeloide Neoplasien

Myeloproliferative Neoplasien (MPN) bezeichnet eine Gruppe seltener, bösartiger Erkrankungen des Knochenmarks. Dabei werden zu viele rote Blutkörperchen, weiße Blutkörperchen und/oder Blutplättchen gebildet. MPN sind chronische Erkrankungen, die aktuell nur durch eine Stammzelltransplantation geheilt werden können. Wir forschen an alternativen Therapiemethoden.

PD Dr. DI Lisa Pleyer, Leiterin der Arbeitsgruppe für Myeloide Neoplasien: „Wir möchten verstehen wie diese Erkrankungen die körpereigene Abwehr `überlisten´, um mittels zielgerichteter Therapien gegensteuern zu können und dem Körper zu helfen, sich wieder effektiv gegen den Rumot zu wehren.“

Neben einem eigenen Lehrbuch, hat die Arbeitsgruppe ein nationales Datenregister gegründet, das inzwischen eines der weltweit größten Datenregister dieser Art geworden ist, und zu vielen nationalen und internationalen Kooperationen geführt hat. Dieses Register erfasst in anonymisierter Form Daten zu Therapieverläufen, Ansprechen und Nebenwirkungen von Patienten mit diesen Erkrankungen, welche mit hypomethylierenden* Substanzen behandelt wurden. Bei diesen Erkrankungen liegen sogenannte epigenetische Veränderungen vor, die einerseits Krebsgene aktivieren und andererseits auch krebsverhindernde Gene inaktivieren können. Als Resultat davon kommt es zu einer massiven Vermehrung bösartiger Stammzellen (leukämische Blasten) im Knochenmark und gleichzeitig zur Verhinderung der Ausreifung normaler Blutstammzellen zu weißen Blutkörperchen, roten Blutkörperchen und Blutplättchen.

Unter Epigenetik versteht man vererbbare Veränderungen der Genexpression und des daraus resultierenden Zellulären Phänotyps (=Erscheinungsbildes), die nicht durch Veränderungen der DNA-Sequenz zustande kommen. Ein Beispiel für die enormen Auswirkungen die epigenetische Veränderungen auf das Erscheinungsbild haben können ist z.B. die Verwandlung der Raupe in einen Schmetterling. Es handelt sich dabei um dasselbe Tier, mit derselben DNA-Sequenz (=Genom). Diese ausgeprägte Veränderung des äußeren Erscheinungsbildes von der Raupe zum Schmetterling entsteht durch epigenetische Veränderungen der Genexpression (=welche Gene ‚gelesen‘ und in Proteine ‚übersetzt‘ werden). Solche epigenetischen Veränderungen sind maßgeblich an der Erkrankungsentstehung und Fortschreitung von myeloiden Neoplasien beteiligt. Hypomethylierende Substanzen können epigenetisch gesteuerten Prozess teils rückgängig machen, das Wachstum und somit Anzahl der Krebszellen verringern und fördern weiters die Ausreifung zu normalen Blutzellen.

 

*Methylierung bezeichnet die chemische Abänderung von Erbsubstanzen.